Gisela Stotzka - Atelier
Keramik  Bilder  Installationen  Projekte

Kurzgeschichten


Schreiben und Malen gehörte schon in meiner Jugendzeit zu meinen Freizeitbeschäftigungen.

Erst nach und nach entwickelte sich beim Schreiben die Form der Kurz-, bzw. in meinem Fall, der „Kürzestgeschichte“ heraus. Fragmente aus Literatur, Gespräche mit Menschen, Notizen aus Zeitungen oder irgendein kleiner Stolperstein aus der Welt entwickeln sich zu Themen und letztendlich zu kleinen Geschichten, meist mit viel Augenzwinkern in die Welt gesetzt.

2010 habe ich mich erstmals getraut, öffentlich beim Kunstlaborevent, einige meiner Texte vorzulesen.
Inzwischen gibt es vier Hefte : Blattrandgeschichten I , II und III, und den (nicht) Krimi „Das Mühlenmonster“.

2017 Lesung bei "Kaleidoskop der Sinne" von Pro Arte, Erkelenz Link bei Youtube


3 Hefte


Leseprobe:

Darf ich mich kurz vorstellen: Punkt ist mein Name, einfach nur Punkt.

Ich bin klein, eher rundlich, kleide mich schwarz und bewege mich meist flächig durch diese Welt. Deswegen bin ich aber nicht unbedeutend, nein, ich setze Zeichen. Meistens trete ich in Erscheinung, wenn eine Sache abgeschlossen ist, nicht mehr fraglich oder einer Bestätigung bedarf. Ich beende einfach die Dinge, die andere angefangen haben.

Ich bin Angehöriger einer riesigen Familie, so groß, daß ich leider etwas den Überblick verloren habe, wie und mit wem ich verwandt bin. Aber das ist nicht tragisch, ich finde es einfach schön, jeden Tag etliche meiner Artgenossen zu treffen. Einige widmen sich sogar Spezialaufgaben, z. B. in hochkomplizierten Zeichnungen, wo ihnen dann wichtige Funktionen zukommen. Dort findet dann jede Stelle, an der sie sich befinden, höchste Beachtung.

Und dies- so muss ich leider zugeben- ist für mich die Quelle des Neides, der mich in letzter Zeit erfasst hat. Ich persönlich wünschte mir etwas mehr Beachtung. Ich möchte nicht mehr am Ende stehen, sondern würde gerne eine zentralere Bedeutung spielen. Kurz gesagt: ich würde gerne Mittelpunkt spielen!

Leider hat mir aber bisher noch niemand sagen können, wie man karrieremäßig den Aufstieg vom einfachen Punkt zu Mittelpunkt schafft. Dabei möchte ich diese Stellung nicht haben, um zu glänzen, mich in den Vordergrund zu spielen oder auf andere herabzusehen.

Nein, es verhält sich nämlich so- aber das bleibt bitte unter uns-, ich habe da letztlich einen anderen Punkt gesehen. Er ist wunderschön, fast genauso groß wie ich, schön rundlich, ebenfalls schwarz und ich habe mich unsterblich in ihn verliebt.

Wenn ich nun eine etwas hervorgehobenere Position bekleiden würde, dann würde dieser Punkt mich beachten und wir könnten uns zusammentun. Vielleicht könnten wir beide zusammen einen Punkt zeugen, dann wären wir zu dritt. Und damit gäbe es für uns eine Zukunft, eine Option auf eine Fortsetzung der Dinge, ein kleines Stückchen von der Ewigkeit ...